INTERVIEW
MIT JASMIN JOLBERG
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| Quirlig und begeistert wirkt
Jasmin Kolberg wenn sie von ihrer Musik erzählt. NWZ-Redakteurin
Petra Schober hat sich mit der zierlichen Person mit einer ganz
besonderen Aura unterhalten. |
Jasmin Kolberg spielt am Freitag, 28. Juli auf Schloss
Filseck |
Gibt es Tage an denen Sie nicht
spielen?
Ja, die gibt es. Von zehn Tagen sollte ein Tag
ohne Instrument sein, oder aber im Urlaub, das muss auch
sein. Allein, damit sich der Körper auch erholen kann.
Wenn man es mal eine Woche liegen lässt, dann reift die
Kunst auch wieder.
Sie
haben studiert und abgeschlossen, und Sie waren sehr viel
im Ausland?
In Deutschland gibt es noch nicht so viele Marimbaspezialisten.
Doch neben der fachlichen Kompetenz spielt für mich auch
die menschliche Seite eine große Rolle. Da muss einfach
die Chemie zwischen Lehrer und Student stimmen. Die Harmonie
im Gespräch und im Spiel ist gleichermaßen wichtig. Ich
hatte das Glück in Stuttgart mit Professor Treßelt einen
Lehrer gefunden zu haben, mit dem ich aus all diesen Gründen
sehr gerne arbeite. Doch bei mehreren Lehrern zu studieren
ist für eine solistische Laufbahn wichtig und deshalb
hat es mich ins Ausland gezogen. Ein großer Name allein
genügt nicht, wenn man nichts lernt. Vor ein paar Jahren
habe ich dann Leigh Howard Stevens in Amerika getroffen,
der mich dann spotan in seine Meisterklasse aufgenommen
hat. Und in Frankreich studiere ich noch das Fach Soloklasse-
Marimba bei Professor Frédéric Macarez am Conservatoire
Supérieur de Paris.
Eine
Kostprobe Ihres Könnens gibt es dann am Freitag 28. Juli
beim Musikfestival auf Schloß Filseck zu hören?
Ja, da spiele ich dann mit Eric Sammut zusammen.
Vor Jahren als ich Eric das erste mal gehört habe, bekam
ich eine Gänsehaut und wusste gleich, das ist der Richtige.
In dem Beruf ist Sensibilität gefragt, aber es passen
nicht alle so einfach zusammen. Eric hat mich durch seine
Musikalität und die Vielfalt seiner Klangfarben begeistert.
Er zeigt eine riesige Bandbreite und tritt gleichzeitig
sympatisch bescheiden auf. Was ich besonders an ihm schätze,
er hat es einfach nicht nötig virtuos rumzuhampeln. Wir
stehen uns gut und unsere sensiblen Seiten passen halt
gut zusammen. Mit wenig Worten passiert gleich ganz viel.
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Und
was gibt es dann von Ihnen zu hören?
Eine große Palette bieten wir von Debussy und Bach
bis zu zeitgenössischer Musik. Ein Trommelstück und auch
Kompositionen von Eric und mir. Eric ist aber immer offen
für Überraschungen. Momentan ist er in Salzburg bei den
Festspielen und wird eigens fürs Konzert anreisen.
Wie
sehen die Zukunftspläne aus?
Eigentlich so wie jetzt, alles vielleicht größer,
mehr besse und weiter. Es ist schwer sich ein Ziel zu
stecken. Momentan strebe ich einfach die Solokarriere
an.
Haben
Sie noch Zeit fürs Privatleben?
Ja, klar. Ich koche auch gerne und angeblich auch
gut. Aber für Hobbys gibt es in dem Sinn keinen Platz
mehr. Nichts was regelmäßig ist. Reiten, Tennis spielen,
Schreibtische umlackieren, Geburtstagsgeschenke basteln,
das läßt ein bisschen nach. Ich muss selbst alle e-mails
beantworten, der Papierkram hängt an mir, noch bin ich
nicht von den größten Agenturen der Welt vertreten.
Gibt
es Wünsche?
Ja klar, ein Bauernhof irgendwo auf dem Land wo
ich ungestört üben kann. So zwei Stunden am Tag, das verübelt
einem ja niemand, aber ich muss manchmal bis zu acht Stunden
proben, das erträgt kein Nachbar.
Info:
Jasmin Kolberg ist zusammen mit Eric Sammut und ihren
Marimbas am Freitag 28. Juli 2000 um 20 Uhr auf Schloß
Filseck zu hören.
Das Marimbaphon, technisch vervollkommneter Typ mit Resonanzröhren
der Marimba, eines afrikanischen Xylophons, vermutlich
malaiisch-ozeanischen Ursprungs. Der runde und samtige
Klang des Marimbas wird durch das Schlagen mit weichen
Schlägeln erzeugt, kann auber auf vielfältigste Art verändert
werden. |
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NWZ: Sie spielen ein nicht gerade gewöhnliches
Instrument. Das Marimbaphon. Wie kommt Jasmin Kolberg dazu?
Jasmin Kolberg: An sich kann jeder der sich für das Schlagzeugspielen
interessiert dazu kommen, zum Beispiel über die Jugend-Musikschule.
Bei mir war das allerdings anders. Als Siebenjährige überlegte
ich mir das sicher noch nicht so richtig. Doch der Vater spielte
als Schlagzeuger bei den Stuttgarter Philharmonikern und hat
dann eine eigene Firma gegründet mit Schlaginstrumenten. Das
ganze Haus war mit Instrumenten voll.
Aber
Sie spielen auch noch andere Instrumente.?
Ja , Geige. Meine Mutter ist Geigerin. Doch das Schlagzeug war
das Instrument bei dem ich mich am besten ausleben konnte. Glücklicherweise
gehört zu den Schlaginstrumenten auch das Marimbaphon und dies
stellte schon bald für mich den Ausgleich zu den anderen Instrumenten
dar, wie die Trommel oder Pauke. So sehr mir Trommeln auch Spaß
macht, aber mir fehlte die Harmonische Vielfalt, die das Marimbaphon
bietet.
Gerade
mal 26 Jahre alt, haben Sie sich schon für die Musikerlaufbahn
entschieden. War das ein Wunschtraum?
Ob diese Laufbahn funktioniert, weiß man sicher nie, aber man
fühlt die richtige Entscheidung. Vor allem als Solist hat man
ja keine feste Anstellung, was eine gewisse Unsicherheit mit
sich bringt. Aber das Schöne an dem Beruf ist- es fällt einem
nicht schwer dich darauf einzulassen. Man glaubt an sich und
steht dahinter und dann muß man es einfach tunl Der Gedanke
nicht mehr spielen zu können, wäre mir unerträglich. Acht, neun
Stunden Übung am Tag, da spielt man schon auf einem relativ
hohen Niveau und vor allem der Anspruch an sich selbst steigt.
Man wird mit der Zeit musikalisch reifer und findet ständig
neue Möglichkeiten der Interpretation. Alldem könnte ich nicht
gerecht werden, würde ich das Marimbaphon-Spiel als Hobby betreiben.
Für mich ist es die richtige Entscheidung.
Ist
das Spiel auch eine körperliche Belastung für Sie?
Ja klar, ich muß regelmäßiges Fitnesstraining machen , und ein
bisschen was gegen meine Muskelschwäche tun. Sechs oder mehr
Stunden rotieren der Unterarme, dafür ist der Körper sicher
nicht geschaffen. |
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