Peine.
Musikalische Schlagkraft solchen Ausmaßes ist bei klassischen
Konzerten selten zu hören. Gestern Abend beeindruckte das Percusssion
Project Rostock im Forum mit Bearbeitungen zweier Konzerte aus
Vivaldis "Jahreszeiten" sowie modernen Klängen. Die Schlagzeuger
langten voll hinein in ihr Instrumentarium, und bei Vivaldi
standen gleich fünf Marimbaphone auf der Bühne. Es ist dies
auch das Instrument der Solistin Jasmin Kolberg, die es allein
und im Zusammenspiel mit Mitgliedern des Ensembles präsentierte.
Dank ihrer Meisterschaft erlebte
man die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Schlaginstrumentes.
Über jegliche technischen Probleme erhaben, musizierte die Künstlerin
mit überzeugender Musikalität und differenziertem Ausdruck eine
Bearbeitung der Fuge aus Bachs g-moll Sonate für Violine allein.
Und was die Violine nur anzudeuten vermag, nämlich die Vierstimmigkeit,
gelang der Marimbaphonistin überzeugend. Sie kristallisierte
die Linienführung heraus und schenkte den Echostellen ("Terrassendynamik")
die nötige Aufmerksamkeit, wenn ihr Spiel auch bei recht freiem
Umgang mit dem Tempo eine romantische Nuance erhielt. |
Besonders
eindrucksvoll eine Eigenkom-position mit dem Titel "Kalimbob",
ein Stück mit leisen Begleitgeräuschen wie Wasserplätschern,
viel Melodik und entfesselten Schlagzeugpassagen. Sehr intim
wirkten die Variationen über japanische Kinderlieder von Keiko
Abe, ein hochgradig virtuoses Stück.
Die Rostocker spielten nach der
Pause die Vivaldi-Sätze (Bearbeitung: Thomas Widiger) mit hinreißender
Prägnanz und imitierten die langsamen Streichersätze mit flächigem,
duftigem Tremolo.
Grandios Marimba Spiritual" von
Minoru Miki mit der Solistin und drei Percussionisten. Ein rhythmisch
außerordentlich diffiziles Werk mit Klangexzessen und lyrischen
Partien, das Begeisterung auslöste und zu einer ganzen Suite
von Zugaben überleitete. Schlaginstrumente in den Mittelpunkt
eines Konzertes zu stellen - sicher ein Risiko, das der Kulturring
gestern einging. Aber das Publikum erwies sich als aufgeschlossen
und war von dem Experiment begeistert. Kurzkritik: Aparte Partituren,
ein eindrucksvoller Abend.
Jürgen Dieckhoff |